Ein Femidom ist ein Kondom, das nicht über den Penis gerollt, sondern in die Vagina eingeführt wird. Es schützt vor Schwangerschaft und senkt das Risiko sexuell übertragbarer Infektionen – und es ist eine der wenigen Methoden, mit denen die Person mit Vagina den Schutz selbst in der Hand hat, ohne Hormone und ohne Termin in der Praxis.
Trotzdem kennen viele das Frauenkondom nur vom Hörensagen. Das liegt weniger an der Methode als an der Handhabung: Die ersten Male fühlen sich ungewohnt an. Wer weiß, wie es aufgebaut ist und wo die typischen Stolperstellen liegen, kommt aber schnell damit zurecht.
Was ist ein Femidom und woraus besteht es?
Das Frauenkondom ist eine weiche, dünne Hülle, die an einem Ende geschlossen und am anderen offen ist. Zwei Ringe geben ihm Halt:
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Jetzt ausprobieren →- Der innere Ring sitzt am geschlossenen Ende. Er wird zusammengedrückt, eingeführt und hält das Kondom tief in der Vagina in Position.
- Der äußere Ring ist etwas größer und bleibt außerhalb des Körpers. Er liegt über der Vulva und verhindert, dass die Hülle nach innen rutscht.
Die meisten Modelle sind heute latexfrei und bestehen aus Nitril oder Polyurethan. Damit eignen sie sich auch bei einer Latexallergie. Es gibt aber vereinzelt Varianten aus Latex – welches Material verwendet wurde, steht auf der Packung. Das ist wichtig für die Wahl des Gleitmittels, dazu weiter unten mehr.
Jedes Femidom ist für eine einzige Anwendung gedacht. Auswaschen und wiederverwenden ist keine Option.
Wie wendet man ein Femidom an?
Beim ersten Mal hilft es, das Einsetzen allein und ohne Zeitdruck zu üben. Ein Vorteil: Du kannst das Femidom schon einige Stunden vor dem Sex einsetzen und musst den Moment nicht unterbrechen.
- Packung prüfen: Ist das Haltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen und die Verpackung unbeschädigt? Öffne sie mit den Fingern, nicht mit Schere oder Zähnen.
- Position finden: Hocken, ein Bein auf einen Stuhl stellen oder liegen – ähnlich wie beim Einführen eines Tampons.
- Inneren Ring zusammendrücken: Halte das Femidom am geschlossenen Ende und drücke den inneren Ring zwischen Daumen und Mittelfinger zu einer schmalen Acht.
- Einführen: Schieb den zusammengedrückten Ring so weit wie möglich in die Vagina.
- Nachschieben: Steck einen Finger in die Hülle und drück den inneren Ring weiter nach oben, bis er hinter dem Schambein sitzt. Die Hülle darf nicht verdreht sein.
- Äußeren Ring prüfen: Er liegt außen flach auf der Vulva. Ein paar Zentimeter Hülle schauen heraus – das ist richtig so.
- Beim Eindringen führen: Lenk den Penis oder das Toy mit der Hand in die Öffnung des äußeren Rings, damit er nicht seitlich an der Hülle vorbeigleitet.
- Entfernen: Nach dem Sex den äußeren Ring ein- bis zweimal verdrehen, damit nichts ausläuft, dann das Femidom vorsichtig herausziehen und im Hausmüll entsorgen – nicht in der Toilette.
Welches Gleitmittel passt zum Femidom?
Viele Frauenkondome sind bereits befeuchtet, zusätzliches Gleitmittel macht das Einführen und den Sex aber oft angenehmer und hält die Hülle an ihrem Platz. Es kann innen auf die Hülle und außen auf den äußeren Ring.
Beim Material gilt: Wasserbasiertes Gleitmittel passt zu jedem Modell. Bei latexfreien Modellen aus Polyurethan sind auch fetthaltige Gleitmittel möglich, bei Latex dagegen nicht, weil Öl das Material angreift. Im Zweifel entscheidet die Packungsbeilage. Welche Gleitmittel-Typen es gibt und wofür sie sich eignen, erklärt der Gleitgel-Test.
Wie sicher schützt ein Femidom?
Schutz vor Schwangerschaft
Wie zuverlässig das Frauenkondom verhütet, hängt stark davon ab, wie sicher die Anwendung klappt. Das Portal familienplanung.de unterscheidet zwei Werte: Bei durchgehend korrekter Anwendung werden innerhalb eines Jahres etwa 5 von 100 Frauen schwanger. Im Alltag, in dem auch Anwendungsfehler vorkommen, sind es bis zu 21 von 100.
Der große Abstand zwischen beiden Zahlen ist die eigentliche Botschaft: Das Femidom ist keine Methode, die man nebenbei richtig macht. Mit Übung rückt der Alltagswert näher an den Bestwert heran. Einen Überblick über andere Methoden und ihre Vor- und Nachteile findest du im Ratgeber Verhütung und Sex.
Ist etwas schiefgegangen – das Femidom gerissen, verrutscht oder der Penis daneben eingedrungen –, kommen die Pille danach oder die Spirale danach infrage. Je früher, desto besser. Die Pille danach bekommst du in der Apotheke, bei der Spirale danach ist ein gynäkologischer Termin nötig.
Schutz vor Geschlechtskrankheiten
Das Femidom senkt das Infektionsrisiko deutlich, weil Sperma, Vaginalflüssigkeit und Schleimhäute nicht direkt in Kontakt kommen. Der äußere Ring deckt zusätzlich einen Teil der Vulva ab.
Vollständigen Schutz bietet aber auch das Femidom nicht. Erreger, die über Hautkontakt übertragen werden – etwa HPV oder Herpes –, können auch an Stellen sitzen, die nicht bedeckt sind. Wenn du Symptome bemerkst oder unsicher bist, ob ein Risiko bestand, lass dich ärztlich oder bei einer Beratungsstelle untersuchen. Welche Infektionen sich wie zeigen und welche Tests es gibt, steht im Ratgeber Geschlechtskrankheiten erkennen und testen.
Wie sprichst du Schutz bei einer neuen Begegnung an?
Ein Femidom hat einen praktischen Nebeneffekt: Du bist nicht darauf angewiesen, dass die andere Person Kondome dabeihat oder die richtige Größe kennt. Das Gespräch über Schutz ersetzt es trotzdem nicht. Gerade bei einem ersten Treffen ist es angenehmer, das Thema vorher zu klären als im Bett, wo jede Frage schnell nach Misstrauen klingt.
Ein kurzer Satz reicht: „Ich verhüte mit Femidom, Schutz ist für mich gesetzt.“ Wie du solche Absprachen im Chat formulierst und warum „ich bin getestet“ allein wenig aussagt, beschreibt ein Ratgeber zum Thema Schutz und Tests ansprechen – mit konkreten Formulierungen und Hinweisen dazu, was ein Test zeitlich abdeckt.
Femidom oder Kondom – was ist besser?
Keines ist pauschal besser. Es kommt darauf an, was dir wichtig ist.
Vorteile des Femidoms:
- Du kannst es Stunden vorher einsetzen, der Sex wird nicht unterbrochen.
- Die Kontrolle liegt bei der Person, die es trägt.
- Es ist nicht von Erektion oder Kondomgröße abhängig und muss nicht direkt nach dem Samenerguss entfernt werden.
- Die meisten Modelle sind latexfrei.
Nachteile:
- Die Anwendung braucht Übung, die ersten Versuche klappen selten perfekt.
- Manche Modelle knistern oder rascheln hörbar.
- Der sichtbare äußere Ring stört manche optisch.
- Frauenkondome sind schwerer zu bekommen und pro Stück deutlich teurer als Männerkondome.
- Im Alltag passieren mehr Anwendungsfehler, was die Schutzwirkung senkt.
Warum niemals Femidom und Kondom zusammen?
Doppelt hält nicht besser. Wenn beide Hüllen gleichzeitig benutzt werden, reiben sie aneinander. Das erhöht die Gefahr, dass eine oder beide reißen oder verrutschen. Entscheide dich also immer für eine der beiden Varianten.
Wo kann man ein Femidom kaufen?
Frauenkondome gibt es in Apotheken und im Onlinehandel, oft auch zur Bestellung über die Apotheke vor Ort. Achte beim Kauf auf das CE-Zeichen und auf das Material, wenn du eine Latexallergie hast oder ein bestimmtes Gleitmittel verwenden willst.
Weil die Handhabung Übung braucht, lohnt es sich, gleich mehrere zu kaufen und eines in Ruhe zum Ausprobieren zu verwenden – ganz ohne Sex.
Welche Fehler passieren beim Frauenkondom am häufigsten?
- Der Penis gleitet neben der Hülle ein. Er landet zwischen Femidom und Scheidenwand – dann besteht kein Schutz. Deshalb beim Eindringen mit der Hand führen.
- Der äußere Ring rutscht nach innen. Sofort unterbrechen, Femidom entfernen und ein neues einsetzen.
- Zu wenig Gleitmittel. Die Hülle bewegt sich dann mit und kann verrutschen.
- Der innere Ring sitzt nicht weit genug oben. Er drückt unangenehm und kann herausrutschen. Mit dem Finger weiter nach oben schieben.
- Spitze Fingernägel oder Schmuck. Sie können das dünne Material beschädigen.
- Falsche Lagerung. Hitze, direkte Sonne und Druck setzen dem Material zu. Portemonnaie und Handschuhfach sind keine guten Orte.
Kann man ein Femidom beim Analverkehr benutzen?
Hier ist Vorsicht angebracht. Frauenkondome sind für vaginalen Sex entwickelt und geprüft. Für Analverkehr gibt es keine verlässlichen Daten dazu, wie gut sie schützen. Gesundheitsstellen geben unterschiedliche Empfehlungen: Manche raten, den inneren Ring vorher zu entfernen, weil er als unangenehm empfunden werden kann – dafür rutscht die Hülle dann leichter heraus.
Wenn du ein Femidom anal verwenden möchtest, nutze reichlich Gleitmittel und prüfe zwischendurch, ob es richtig sitzt. Besser untersucht ist beim Analverkehr das klassische Kondom. Mehr zur Vorbereitung und zu Schutz beim Analsex findest du im ehrlichen Guide zum Analverkehr.
Checkliste: Femidom sicher benutzen
- Ich habe das Einsetzen mindestens einmal allein und ohne Zeitdruck geübt.
- Vor dem Öffnen habe ich Haltbarkeitsdatum, Material und unbeschädigte Packung geprüft.
- Der äußere Ring liegt außen auf der Vulva, und beim Eindringen führe ich mit der Hand.
- Ich verwende das Femidom allein – nie zusammen mit einem Männerkondom – und nur ein einziges Mal.
- Ich weiß, dass bei einer Panne die Pille danach oder die Spirale danach infrage kommt und frühes Handeln zählt.



