Warum Rimming längst nicht mehr exotisch ist
Rimming, manchmal auch Anilingus genannt, ist die orale Stimulation des Anus. Was vor zehn Jahren noch in einer Tabu-Ecke verschwand, ist heute in vielen Beziehungen ein normaler Teil des sexuellen Repertoires. Das hat einen Grund: Die Region rund um den Anus ist mit unzähligen Nervenenden ausgestattet, und für viele Menschen führt die Stimulation zu einer Intensität, die sie an anderer Stelle so nicht kennen. Wer offen darüber redet, merkt schnell, wie weit verbreitet das Interesse ist – auch wenn kaum jemand zürst davon anfängt. Eine ehrliche Kommunikation ist hier der entscheidende erste Schritt.
Wichtig vorweg: Rimming muss niemand mögen. Es ist keine Pflichtdisziplin, keine Steigerungsstufe von gutem Sex, kein Beweis für Offenheit. Es ist eine Spielart unter vielen. Wenn ihr sie ausprobieren wollt, lohnt es sich, vorher ein paar Dinge zu klären – über Hygiene, Erwartungen und darüber, wie ihr aussteigt, wenn es sich nicht gut anfühlt. Wer mit klarem Kopf in eine neue Praktik geht, kann sich darauf einlassen. Wer nur dem Druck folgt, weil das Internet sagt, das gehöre dazu, wird selten zufrieden sein.
Viele Paare berichten, dass das eigentliche Ausprobieren schließlich entspannter war als das jahrelange Drum-Herum-Reden. Die Hürde sitzt fast immer im Kopf, und sie schmilzt erstaunlich schnell, wenn beide bereit sind, sich aufeinander einzulassen.
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Der wichtigste Punkt zürst: Hygiene ist beim Rimming kein Detail, sondern Grundvoraussetzung. Eine ausgiebige Dusche vor dem Sex ist Pflicht, nicht Empfehlung. Viele Paare nutzen die gemeinsame Dusche als Vorspiel – das verbindet das Reinwaschen mit Erotik und nimmt die Peinlichkeit raus. Eine milde Seife reicht völlig, aggressive Reinigungsmittel reizen die empfindliche Haut nur unnötig.
Wer einen Schritt weitergehen möchte, kann mit einer Analdusche arbeiten. Pflicht ist sie nicht. Vor allem für Einsteigerinnen und Einsteiger reicht eine gründliche äußere Reinigung in den meisten Fällen. Wer auf Nummer sicher gehen will: Ein leichter, ballaststoffreicher Tag vorher hilft mehr als jedes Hilfsmittel. Schwere, fettige Mahlzeiten kurz vor dem Sex sind die ungünstigste Variante.
Nicht zu unterschätzen ist auch die Rasur oder das Trimmen der Region – allein, weil weniger Haare das Gefühl auf beiden Seiten verändern. Pflicht ist auch das nicht. Was zählt, ist, dass beide sich wohlfühlen. Manche Paare entwickeln im Lauf der Zeit eine eigene Routine, die sie als Vorspiel begreifen: gemeinsam duschen, sich gegenseitig einseifen, abtrocknen. Das senkt den mentalen Aufwand, und der nächste Schritt ergibt sich von selbst.
*Dieser Artikel basiert auf Erfahrungsberichten aus der Sexualberatung und Empfehlungen von Sexualpädagoginnen.*
Sicherheit: Was wirklich wichtig ist
Die Darmflora gehört nicht in den Mund. Bakterien wie E. coli können beim Rimming übertragen werden und Infektionen auslösen. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt einen sogenannten Dental Dam – ein dünnes Latextuch, das als Barriere dient. Die Dinger gibt es in Apotheken und Online-Shops, sie sind günstig und einfach in der Handhabung. Alternativ kann man auch ein aufgeschnittenes Kondom als improvisiertes Tuch nutzen.
Ganz ohne Barriere ist Rimming nur dann sinnvoll, wenn beide Partner gesund sind, sich gegenseitig vertrauen und die Hygiene-Vorbereitung gründlich war. Bei Magen-Darm-Beschwerden, offenen Stellen im Mund oder Erkältung verzichtet ihr lieber – Schleimhäute übertragen Keime in beide Richtungen. Auch sexuell übertragbare Infektionen wie Hepatitis A oder Herpes lassen sich über Rimming weitergeben. Wer regelmäßige STI-Tests macht und seine Ergebnisse kennt, kann hier viel beruhigter sein.
Und ganz klar: Was am Anus war, geht nicht direkt zur Vagina oder in den Mund des anderen. Mund spülen, Hände waschen, Sextoy reinigen – diese drei Regeln retten viele Abende. Wer das aus dem Lehrbuch klingt, hat recht; es funktioniert trotzdem. Eine offene Wasserflasche neben dem Bett und ein paar feuchte Tücher sind das gesamte Equipment, das ihr für den Übergang braucht.
Den Einstieg sanft gestalten
Wenn ihr es das erste Mal probiert, geht langsam vor. Beginnt mit Küssen und Streicheln am Po, an den Innenseiten der Oberschenkel, am unteren Rücken. Diese Region ist auch jenseits des Anus extrem empfindlich, und viele Menschen entdecken hier Erogene Zonen, die sie vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. Manche reagieren auf leichtes Beißen am Po-Ansatz stärker als auf vieles, was sie aus klassischem Vorspiel kennen.
Wenn ihr näher kommt, sind sanftes Lecken, Saugen und leichtes Kreisen mit der Zunge der klassische Einstieg. Manche mögen festeren Druck, andere bevorzugen kaum spürbare Berührungen. Hier hilft nur eins: Reden, Probieren, Reagieren. Ein simples "Mehr Druck" oder "Eher leichter" reicht völlig. Auch nonverbale Signale – ein leichtes Heben des Beckens, ein Greifen nach den Haaren des Partners – sind eine Sprache, auf die sich beide einstellen können.
Die passive Person darf entspannen – und das im wörtlichen Sinne. Verkrampfte Muskeln dämpfen die Empfindung. Tief atmen, sich auf die Reize konzentrieren, das Becken leicht heben oder kippen, um den Winkel anzupassen. Eine bequeme Position, etwa auf dem Bauch mit einem Kissen unter den Hüften, hilft beiden. Auch die Seitenlage funktioniert, wenn jemand Probleme mit der Bauchlage hat. Was nicht funktioniert, ist eine verkrampfte Stellung, die nach drei Minuten wegen Rückenschmerzen abgebrochen werden muss.
Was geht zusammen mit Rimming?
Rimming muss kein isolierter Akt sein. Viele Paare kombinieren es mit anderen Stimulationen: Eine Hand greift zur Klitoris oder zum Penis, Finger erkunden gleichzeitig andere Bereiche. Diese Mehrfachstimulation kann Rimming für viele erst zum Highlight machen – allein ist es manchen zu "einseitig". Gerade wer noch unsicher ist, profitiert davon, dass es nicht das einzige Geschehen im Raum ist.
Auch der Übergang zu anderen Praktiken ist möglich, etwa zur Penetration mit Fingern oder einem Toy. Wichtig: Vor dem Wechsel zwischen anal und vaginal immer Hände waschen oder Toys reinigen. Bakterien, die im Anus völlig harmlos sind, können in der Vagina Infektionen auslösen. Diese Regel kostet nichts und verhindert die meisten unangenehmen Überraschungen am Tag danach.
Manche Paare nutzen Rimming gezielt als Übergang zu Analsex, weil die Entspannung der Muskulatur durch die orale Stimulation den Einstieg erleichtert. Pflicht ist auch das nicht. Rimming kann als eigenständige Praktik stehen, ohne dass danach noch etwas passieren muss.
Wer welche Rolle übernimmt
In vielen Anleitungen wird Rimming als einseitige Praktik beschrieben – einer macht, der andere genießt. In der Praxis funktionieren beide Richtungen, und nicht jedes Paar verteilt die Rollen automatisch. Manche entdecken das Geben als das Reizvollere, andere fühlen sich nur in der empfangenden Rolle wohl. Beide Konstellationen sind völlig in Ordnung. Eine Diskussion vorher, wer was anbietet und was sich gut anfühlt, spart die unangenehme Situation, mitten im Akt mit Erwartungen konfrontiert zu werden, die nie ausgesprochen wurden.
Wichtig: Es gibt keine Verpflichtung zur Gegenseitigkeit. Wer rimmen mag, muss nicht selbst gerimmt werden wollen. Wer empfängt, schuldet nichts zurück. Diese Asymmetrie zu akzeptieren, ist Teil reifer Sexualität – und entlastet besonders Paare, in denen einer von beiden mit der gebenden Rolle gar nichts anfangen kann.
Wer aktiv ist, profitiert von einer guten Position für den eigenen Nacken und Rücken. Stundenlanges Liegen in einer schiefen Haltung ist kein Genuss. Auch hier gilt: Kissen sind eure Freunde, und ein kurzer Wechsel zwischen Bauchlage und Seitenlage hält die Muskulatur frisch.
Was tun, wenn es nicht funktioniert
Nicht jeder Versuch landet sofort. Manchmal funktioniert Rimming beim ersten Mal nicht, weil einer von beiden zu angespannt ist. Manchmal löst der Geruch oder die ungewohnte Situation Unsicherheit aus. Manchmal ist es schlicht nicht der richtige Moment. Statt das gleich als endgültige Antwort zu deuten, lohnt sich eine kurze Pause und ein offenes Gespräch.
Viele Paare berichten, dass der zweite oder dritte Versuch deutlich entspannter abläuft als der erste. Die Hürde ist meistens psychologisch, und sie schmilzt mit ein bisschen Übung. Wenn nach mehreren Anläufen klar ist, dass es nicht klickt – auch das ist eine valide Antwort. Streicht es von der Liste und konzentriert euch auf das, was funktioniert.
Was bleibt: Ehrlich miteinander reden
Rimming ist eine Vertrauenssache. Beide Seiten zeigen sich verletzlich – die eine Person, weil sie sich öffnet, die andere, weil sie eine Region zum Mittelpunkt macht, die viele mit Scham besetzt haben. Genau deshalb fühlt es sich oft so intim an. Wenn ihr es ausprobiert und merkt: nichts für uns – ist das völlig okay. Wenn ihr es liebt, gehört es ab jetzt vielleicht dazu. Beides ist eine gute Antwort.
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Fragen, die ihr vorher klärt
Ehrliche Vorgespräche entlasten enorm. Wer vorher weiß, was passieren darf und was nicht, kann sich entspannter fallen lassen. Diese Punkte lohnen sich:
- Wer macht was: Wollt ihr beide geben und nehmen, oder nur eine Richtung? Beides ist legitim.
- Mit oder ohne Barriere: Klärt vorher, ob ihr einen Dental Dam einsetzt oder nicht.
- Stoppsignal: Auch ohne klassisches BDSM-Setting ist ein vereinbartes "Stopp" Gold wert.
- Aftercare: Manche brauchen nach intensiver Intimität ein paar Minuten Nähe oder ein Glas Wasser.
- Erwartungen: Niemand muss kommen, niemand muss ekstatisch reagieren. Druck ist der größte Lustkiller.
Checkliste: Rimming entspannt ausprobieren
- [ ] Ausgiebig geduscht, Region sauber
- [ ] Dental Dam oder aufgeschnittenes Kondom griffbereit
- [ ] Position gewählt, in der die passive Person entspannt liegen kann
- [ ] Stoppsignal vereinbart
- [ ] Hände, Mund und Toys nach dem Spiel gereinigt
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