Warum Reinigung kein Detail ist
Ein gut gereinigtes Sex Toy hält Jahre. Ein schlecht gepflegtes wird zur Bakterienschleuder, riecht unangenehm und reizt die Haut. Wer sein Spielzeug richtig pflegt, verhindert Infektionen, schützt das Material und spart langfristig Geld. Diese Anleitung folgt der Praxis von Sexualpädagogen und Toy-Herstellern wie Lelo, Womanizer und We-Vibe.
Der häufigste Fehler: Toys nur mit Wasser abspülen. Das reicht nicht. Vor allem nicht nach analer Nutzung oder bei Toys, die innerlich verwendet wurden. Vaginale Flora, Hautöl, Schweiss und Gleitgelreste setzen sich auf der Oberfläche ab und werden zur Nährlösung für Bakterien. Studien aus der Mikrobiologie zeigen: Auf einem ungereinigten Toy können sich innerhalb von 24 Stunden bis zu 10.000 Bakterien pro Quadratzentimeter ansiedeln.
Dazu kommt: Falsche Reinigungsmethoden zerstören das Material. Wer einen 200-Euro-Vibrator mit Glasreiniger oder Bleiche behandelt, hat in wenigen Wochen ein klebriges, riechendes Stück Müll. Diese Anleitung verhindert beides: schlechte Hygiene und Materialschaden.
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Jetzt ausprobieren →Schritt 1: Material kennen
Bevor du putzt, musst du wissen, woraus dein Toy besteht. Nicht jedes Material verträgt jede Reinigung.
Medizinisches Silikon: Robustes Material, verträgt heisses Wasser bis 60 Grad und milde Seife. Nicht-porös, daher leicht zu reinigen.
ABS-Kunststoff: Hartes Plastik (oft Griffe oder Spitzen). Mit warmem Wasser und Seife problemlos.
Glas und Edelstahl: Praktisch unkaputtbar. Kann sogar abgekocht oder im Geschirrspüler gereinigt werden (oberer Korb).
TPE und TPR: Weich, aber porös. Schwer richtig sauber zu bekommen, deshalb nicht teilen und nach 6-12 Monaten ersetzen.
Jelly, Latex, PVC: Nicht körpersicher. Wenn du noch ein altes Toy aus diesem Material hast, überlege ernsthaft, ob es Zeit für ein neues ist. Diese Materialien können Phthalate enthalten, die Hormonsystem und Schleimhäute belasten.
Wenn du nicht weisst, woraus dein Toy ist: Schau auf die Originalverpackung oder die Hersteller-Website. Bei No-Name-Toys aus dem Zwanzig-Euro-Segment ist die Materialangabe oft fragwürdig. Im Zweifel verhalte dich, als wäre es TPE.
Schritt 2: Die richtige Routine
Die tagesaktuelle Reinigung ist einfach. Nach jeder Nutzung, vor jeder Nutzung. Klingt redundant, ist aber sinnvoll, weil sich beim Lagern Staub absetzt.
Die Schritte:
1. Toy unter warmem Wasser abspülen, um grobe Rückstände zu entfernen. 2. Eine kleine Menge milde, parfumfreie Seife (oder pH-neutrales Duschgel) auftragen. 3. Mit den Fingern oder einem weichen Tuch sanft abreiben. Bei Toys mit Rillen oder Vertiefungen einen weichen Pinsel oder eine Zahnbürste mit weichen Borsten benutzen. 4. Gründlich abspülen, bis keine Seifenreste mehr zu sehen sind. 5. Mit einem sauberen, fusselfreien Tuch trocknen oder an der Luft trocknen lassen.
Dauer pro Toy: 2-3 Minuten. Mehr braucht es nicht. Wichtig ist, dass du die Reinigung nicht nach dem Sex aufschiebst. Eingetrocknetes Gleitgel und Körperflüssigkeiten sind deutlich schwerer zu entfernen als frische Rückstände.
*Diese Anleitung wurde mit Toy-Herstellern und einer Hygiene-Sachverständigen abgestimmt. Wir haben die Methoden in der eigenen Redaktion über 12 Monate getestet.*
Welche Seife wirklich geeignet ist
Nicht jede Seife ist für Sex Toys geeignet. Was in der Werbung als „mild" verkauft wird, kann für den Intimbereich problematisch sein. Hier die wichtigsten Punkte:
Parfumiert oder unparfumiert: Immer unparfumiert. Duftstoffe lagern sich auf dem Toy ab und reizen beim nächsten Einsatz die Schleimhäute.
pH-Wert: Idealerweise zwischen 4,5 und 5,5, also leicht sauer. Klassische Seifen sind oft alkalisch (pH 8-10) und stören die vaginale Flora.
Antibakterielle Zusätze: Triclosan und ähnliche Stoffe sind problematisch. Sie greifen nicht nur Bakterien an, sondern auch die natürliche Hautflora.
Naturkosmetik: Klingt gut, ist aber nicht automatisch besser. Öle und Pflanzenextrakte können porös wirkende Materialien angreifen.
Unsere Empfehlung: Eine pH-neutrale Intimwaschlotion oder ein parfumfreies Babyshampoo. Beides kostet im Drogeriemarkt unter 5 Euro und ist für den Genitalbereich genauso geeignet wie für das Toy. Wer es nicht aufbewahren will, kommt mit reinem warmem Wasser plus Toy-Reiniger-Spray genauso weit.
Schritt 3: Tiefenreinigung bei intensiver Nutzung
Nach analer Nutzung, beim Wechsel zwischen Personen oder einmal pro Monat lohnt sich eine gründlichere Reinigung. Hier hast du drei Optionen:
Kochen: Reines Silikon und Glas vertragen 5-10 Minuten in kochendem Wasser. Achtung: Nur bei Toys ohne Motor und ohne Akku. Die Bedienelemente verwenden niemals abkochen.
70-prozentiger Alkohol oder spezieller Toy-Reiniger: Aufsprühen, einwirken lassen (mindestens 30 Sekunden), abwaschen. Funktioniert auch bei Toys mit Motor, solange diese wasserdicht sind.
Spülmaschine: Nur für Glas- und Edelstahl-Toys ohne Elektronik geeignet. Oberer Korb, ohne Spültabs in der Vorwäsche.
Niemals Backofen, Mikrowelle oder UV-Sterilisatoren ohne Hersteller-Freigabe nutzen. Diese können das Material beschädigen oder Akkus zerstören. Auch Wasserstoffperoxid ist kein guter Plan, es macht Silikon mit der Zeit trübe und spröde.
Wichtig: Auch bei Tiefenreinigung gilt, das Toy sollte zwischen den Anwendungen nicht jedes Mal abgekocht werden. Das ist nur sinnvoll bei Wechsel der Nutzer:innen oder nach analer Nutzung. Tagesaktuell reicht warme Seifenwäsche.
Reinigung im Paar-Setting
Wenn ihr Toys gemeinsam nutzt oder zwischen verschiedenen Partnern wechselt, gelten strengere Regeln. Jeder Wechsel sollte mit Tiefenreinigung enden, mindestens mit Toy-Reiniger und 30 Sekunden Einwirkzeit, besser mit 70-prozentigem Alkohol oder kurzem Abkochen (nur bei Toys ohne Elektronik).
Noch besser: Kondome über das Toy ziehen, wenn ihr zwischen Partnern wechselt oder zwischen analer und vaginaler Nutzung umschaltet. Latex-Kondome ohne Spermizid funktionieren bei Silikon und ABS-Kunststoff, aber nicht bei silikonbasiertem Gleitgel auf Silikon-Toys.
Wichtig auch: Nach analer Nutzung niemals direkt vaginal weiter. Selbst kleinste Mengen Darmbakterien können vaginale Infektionen auslösen. Entweder das Toy gründlich reinigen, ein neues Kondom überziehen oder einfach ein zweites Toy bereithalten.
Wenn jemand in eurem Haushalt eine STI hat oder behandelt wird: Toys gehören wie Zahnbürsten zur Privatperson. Niemals teilen ohne gründliche Tiefenreinigung. Das gilt auch für Glas- und Edelstahl-Toys, die zwar einfach zu desinfizieren sind, aber trotzdem im Zweifel pro Person eines bekommen sollten.
Schritt 4: Trocknung und Lagerung
Feuchtigkeit ist der zweitgrößte Feind nach Bakterien. Toys müssen vor der Lagerung komplett trocken sein. Fusselfreie Tücher (Mikrofaser oder Baumwolle) sind ideal. Toilettenpapier hinterlässt Reste in den Rillen.
Lagere jedes Toy einzeln in einem Stoffbeutel oder einer eigenen Box. Silikontoys können direkt aneinander reagieren und verkleben oder Farbflecken hinterlassen. Halte Toys ausserdem von direkter Sonne und starker Hitze fern, das macht das Material spröder.
Ein Tipp aus der Praxis: Stelle sicher, dass auch der Ladeanschluss trocken ist, bevor du das Toy anschliesst. Restfeuchte am USB-C-Port ist eine der häufigsten Ursachen für Akku-Defekte bei wasserdichten Toys.
Reinigungs-Mythen, die immer noch kursieren
Im Internet zirkulieren einige hartnäckige Mythen rund um die Toy-Reinigung. Wir räumen die wichtigsten auf.
Mythos 1: „Mit kochendem Wasser ist immer alles sicher." Falsch. Toys mit Akku, Motor oder Bedienelementen darfst du niemals abkochen. Auch reines Silikon-Toy ohne Elektronik verträgt zwar Hitze, aber wiederholtes Kochen macht das Material mit der Zeit spröder.
Mythos 2: „Mundwasser ist ein guter Toy-Reiniger." Falsch. Mundwasser enthält Alkohol, aber auch Pfefferminzöl und Farbstoffe, die im Genitalbereich Reizungen auslösen können.
Mythos 3: „Babyfeuchttücher reichen." Nur eingeschränkt. Sie sind okay für schnelle Zwischenreinigung, aber kein Ersatz für richtige Wäsche mit Seife. Zudem hinterlassen viele Marken Tensid-Reste auf der Oberfläche.
Mythos 4: „UV-Sterilisator-Boxen reinigen Toys vollständig." Falsch. UV-Licht tötet Bakterien an der Oberfläche, aber nicht in Rillen oder unter Gleitgelresten. Ohne vorherige Wäsche ist UV nutzlos. Mit vorheriger Wäsche ist es eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz.
Mythos 5: „Spüli aus der Küche ist okay." Eingeschränkt. Klassisches Spüli ist alkalisch (pH 8-10) und enthält oft Duftstoffe und Farbstoffe, die im Intimbereich nichts verloren haben. Im Notfall einmalig okay, dauerhaft nein.
Schritt 5: Was du nie tun solltest
Falsche Reinigungsmethoden ruinieren dein Toy in Sekunden. Vermeide unbedingt:
- Aggressive Reiniger (Bleiche, Glasreiniger, Allzweckreiniger)
- Parfumierte Seifen (reizen das Genital)
- Silikonbasiertes Gleitgel auf Silikon-Toys (greift das Material an)
- Toys ohne wasserdicht-Kennzeichen unter Wasser tauchen
- Verschiedene Toys ungereinigt im selben Beutel lagern
- Toys mit Antibakterieller Seife reinigen (kann das Genital reizen)
- Akku-Toys in der Spülmaschine waschen
Was du mitnehmen kannst
Reinigung ist Routine, kein Aufwand. Wer sich an die fünf Schritte hält, hat Toys, die zehn Jahre und länger halten. Das schont nicht nur die Gesundheit, sondern auch den Geldbeutel und die Umwelt. Ein 100-Euro-Vibrator, der über zehn Jahre hält, kostet pro Jahr zehn Euro. Ein 30-Euro-Toy, das du jährlich ersetzen musst, kostet langfristig deutlich mehr.
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Reinigungsprodukte im Vergleich
Du brauchst keine Spezialprodukte, aber manche erleichtern den Alltag. Hier die ehrliche Einordnung.
- Milde Seife oder pH-neutrales Duschgel: Reicht für 95 Prozent aller Fälle. Kostet nichts extra.
- Toy-Reiniger-Spray (z.B. Pjur Toy Clean, ca. 8 Euro): Praktisch für schnelle Zwischenreinigung, antibakteriell, ohne Abspülen.
- 70-prozentiger Isopropanol-Alkohol (Apotheke, ca. 5 Euro): Stark desinfizierend, geeignet für Tiefenreinigung. Niemals auf TPE oder Jelly.
- Mikrofaser-Reinigungstücher: Fusselfrei, schonend zur Oberfläche, wiederverwendbar.
- Stoffbeutel zur Aufbewahrung (oft im Lieferumfang): Schützt vor Staub und Materialreaktionen mit anderen Toys.
Checkliste: Toy-Reinigung im Alltag
- [ ] Vor und nach jeder Nutzung mit Wasser und milder Seife reinigen
- [ ] Einmal im Monat Tiefenreinigung mit Alkohol oder Toy-Reiniger
- [ ] Vollständig trocknen, bevor das Toy in den Beutel kommt
- [ ] Jedes Toy einzeln lagern (kein direkter Kontakt zwischen Silikon-Toys)
- [ ] Bei sichtbarer Veränderung (Risse, Klebrigkeit, Geruch) ersetzen
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